Kopfhörer (04/2009)

Nachdem meine einfachen In-Ear-Kopfhörer von Sony (~30 EUR) nach 10 Jahren kaputt gegangen sind, habe ich mich auf die Suche nach einem Ersatz gemacht. Zunächst habe ich mir zwei billige (aber im Netz meist recht gut bewertete) Kopfhörer gekauft, einen Sennheiser In-Ear für 30 EUR und den Koss Porta-Pro On-Ear für ebenfalls 30 EUR.

Später habe ich dann doch einen teuren "High-End" In-Ear gekauft, und zwar aufgrund recht guter Reviews den Westone 3. Dieser In-Ear-Hörer beinhaltet ein Drei-Wege-System, also getrennten Bass-, Mitten- und Höhen-Lautsprecher inkl. Frequenzweiche. Alles in dem kleinen Gehäuse. Der Preis liegt zur Zeit dafür auch bei ca. 350 EUR.

Nachdem ich mit dem Klang des Westone nicht recht zufrieden war, habe ich dann mal alle mir zur Verfügung stehenden Kopfhörer verglichen. Denn die Klangunterschiede und Vor/Nachteile bei der Benutzung sind auch stark systembedingt, was in Einzeltests in Foren mmg. nicht klar dargestellt wird. Ich möchte hier keinen umfassenden Vergleich liefern. Ebenso ist die Klangqualität sicher auch subjektiv. Ich möchte vor allem Tendenzen aufzeigen was die Eigenschaften der verschiednen Kopfhörer(typen) anbelangt.

EqualizerAuch wenn jetzt viele Hifi-Fans sagen werden, dass man ja die unten gelisteten Systeme nicht vergleichen kann (eigentlich meinen sie vermutlich: "sollte, weil sie systembedingt unterschiedlich klingen"), mache ich eben dies trotzdem. Es gibt nun mal unterschiedliche Anwendungsfälle, und deswegen kann man in unterschiedlichen Situationen unterschiedliche Modelle wählen. Die subjektive Klangqualität, die ich mit angegeben habe, soll vor allem darstellen, wie stark die Klangqualität der Systeme jeweils auseinander liegen. Ein Wert von 50% bedeutet nicht, dass der Kopfhörer halb so gut wie der mit 100% klingt. Dies ist dann insbesondere im Vergleich zum Preis zu sehen. Das Preis/Leistungsverhältnis der verschiedenen Kopfhörer(typen) ist hoch.

Zum Test habe ich einen 7-Band-Equalizer (Pioneer GR-333) und einen Kopfhörerverstärker (vom AKG Hearo 999-System) eingesetzt. Um das Frequenzspektrum der Kopfhörer subjektiv noch etwas zu erweitern, habe ich am Ende des Frequenzspektrums Bass (bei 60Hz) und Höhen (bei 15 kHz) geregelt, so dass jeweils ein möglichst vergleichbarer Klang erzielt wurde. Auch hier werden einige sagen, dass man Equalizer nicht verwenden solle, sondern sich einen anderen Kopfhörer kaufen soll, wenn man mit dem Klang nicht einverstanden ist. Ich sehe das anders, denn ich kann mit gezieltem Einsatz des Equalizers das subjektive Klangerlebnis durchaus verbessern - selbst bei teuren Kopfhörern.


Bild
Modell / Eigenschaften
Equalizer-Einstellung
subjektive Klangqualität
Sennheiser HD650 (230 EUR)
  • einer der beliebten und oft zitierten Referenz-Kopfhörer um die 250 EUR
  • sehr linearer Frequenzgang
  • sehr sauberer Klang (es gibt absolut nichts zu meckern bzgl. fehlender Frequenzen oder Verzerrungen)
  • durch die offene Bauform ist der Schall außen hörbar, allerdings etwas geringer als beim AKG K701
  • durch die offene Bauweise schwitzt man aber nicht (nicht luftdicht abgeschlossen)
  • ausreichend, wenn auch nicht extrem viel Bass
  • Lautstärke ist trotz höherer Impedanz von 300 Ohm am MP3-Player (verwendet: XDA Orbit 2) gerade noch ausreichend (insbesondere lauter als der AKG K701)
  • sitzt etwas stramm (Geschmackssache), aber insgesamt sehr gut und angenehm
60 Hz +6 dB, 15 kHz 0dB
90%
(ich habe noch nichts besseres gehört, spare mir die 100% aber mal auf)
AKG K701 (250 EUR)
  • der zweite der beliebten und oft zitierten Referenz-Kopfhörer um die 250 EUR
  • sehr linearer Frequenzgang
  • sehr sauberer Klang (es gibt absolut nichts zu meckern bzgl. fehlender Frequenzen oder Verzerrungen)
  • klanglich einziger Nachteil: zu früh abfallender Bass, d.h. sehr tiefe Frequenzen unter 80 Hz werden leise wiedergegeben (insbesondere im Vergleich zum Sennheiser HD650)
  • ist "leise": Beim Anschluß an einen MP3-Player mit geringer Ausgangsleistung reicht die Lautstärke vermutlich nicht. Auch beim Anschluß an meinen Hifi-Verstärker war ich mit Klang und Lautstärke nicht ganz zufrieden. Erst am Kopfhörer-Verstärker war eine vernünftige Lautstärke zu erzielen.
  • guter Sitz (etwas geringerer Druck als beim Sennheiser HD650) und auch bei längerer Zeit für die Größe angenehm zu tragen
  • offener Kopfhörer: man kann die Musik von außen recht laut hören, was andere Personen stören kann
60 Hz +10 dB, 15 kHz 0dB
90%
(dem Sennheiser HD650 absolut ebenbürtig)

AKG Hearo 999 AudioSphere II (450 EUR)

  • Funkkopfhörer mit digitaler Übertragung
  • Hat diverse Surround-Modi im Kopfhörer-Verstärker, durch die der Ton wie aus virtuellen im Raum aufgestellten Lautsprechern wirken soll. Bei mir hat das ganze nicht funktioniert, der Klang ist dann deutlich schlechter. Somit habe ich die Surround-Modi nie verwendet.
  • Die Übertragung mag störungs- und rauschfrei sein (Werbeaussage), aber der im Kopfhörer befindliche Verstärker rauscht deutlich hörbar. Es ist beim Fernseh-schauen nicht störend (IR-Kopfhörer rauschen mehr), aber bei leisen Musik-Passagen störend und bei dieser Preisklasse nicht angemessen.
  • durch die Elektronik schwerer Kopfhörer, unangenehm zu tragen
  • guter Klang, recht linear
  • Akku hält nur ca. 4 Stunden mit einer Ladung
60 Hz +8 dB, 15 kHz 0dB
85%
Koss Porta-Pro (30 EUR)
  • seit 15 Jahren oder so wird dieses Modell hergestellt, dementsprechend altmodisch sieht er aus
  • klingt erstaunlich gut für den Preis, kein Verzerren, keine fehlenden Frequenzen
  • sitzt angenehm und ist leicht
  • super Preis/Leistungsverhältnis, schlägt klanglich sicher viele auch teurere Kopfhörer
60 Hz +6 dB, 15 kHz +6dB
80%

TIP!

Teufel Motiv 2 Subwoofer (300 EUR inkl. Satelliten) + Canton Plux X Satelliten (140 EUR)
  • zum Vergleich ein Lautsprechersystem mit gutem Preis/Leistungsverhältnis
  • die Canton-Satelliten bieten eine detailliertere Wiedergabe der Höhen (vielleicht Geschmackssache)
  • Klang sehr sauber, keine Verzerrungen
  • auch ohne Klangregelung ein sehr ausgewogener Klang und Frequenzgang
-
80%
Westone 3 (350 EUR)
  • In-Ear Kopfhörer
  • 3-Wege System
  • sehr hohe Schallisolation (~ 25 dB) bei Verwendung der Schaumstoffaufsätze, dann aber auch stärkerer Druck im Gehörgang, was etwas unangenehm ist
  • für den Preis und die guten Reviews im Netz enttäuschender Klang, da noch weit vom Ideal entfernt
  • möglicherweise einer der besten In-Ear (ich kenne keinen besseren), aber weit unter der Klangqualität der größeren Kopfhörer und nach meinem Empfinden sogar schlechter als der 30 EUR-Porta Pro (!)
  • mittlere Höhen klingen etwas verrauscht und metallisch, z.B. empfinde ich das Becken eines Schlagzeugs als unecht und synthetisch (dieser Nachteil wird auch von einigen anderen in Reviews beschrieben)
  • insgesamt sind zwar Bässe, Mitten, Höhen da, aber das Frequenzspektrum klingt irgendwie nicht linear und neutral, sondern als wenn etwas fehlen würde
  • bei Musiktiteln mit starkem Höhen-Anteil (selten) bei höherer Lautstärke Verzerrungen, die bei geringerer Lautstärke nicht zu hören sind
60 Hz +6 dB, 15 kHz +4dB
70%
Bose On-Ear (160 EUR)
  • sehr starker Bass um 120 Hz, ohne Klangregelung zu extrem
  • Bass brummt tendenziell breitbandig, d.h. man muss schon mit dem Equalizer alles unter 150 Hz abregeln
  • bis auf den Bass keine Verzerrungen
  • Die sehr weichen Polster sind angenehm zu tragen und schließen ziemlich gut ab, wodurch der starke Baß möglich ist.
  • Schallisolierung ist mittel, stärker als beim Porta Pro, aber vielleicht halb so gut wie bei einem billigen In-Ear
  • Mitten etwas unterbetont
  • optisch unschön: durch die runde Form der Bügel stehen diese seitlich stark ab
125 dB -3dB, 60 Hz -3dB, 15 kHz 0dB
70%
Sennheiser CX-300 (35 EUR)
  • billige In-Ear
  • für den Preis angemessener Klang
  • Höhen klirren
  • Frequenzspektrum ok
  • sitzen gut
  • mittlere Schallisolation durch Gummidichtungen (nicht so hoch wie bei Schaumstoff)
60 Hz +6 dB, 15 kHz 0dB
55%

Fazit

Allgemein muss man feststellen, dass es offenbar sehr aufwändig ist, gute Tonqualität in einem kleinen Kopfhörer zu ermöglichen. Die These, dass man mit einem kleinen teuren In-Ear alle Anwendungsfälle abdecken kann, ist falsch. Man hat die Wahl zwischen:

Neben der Erkenntnis, dass man wohl mehrere Kopfhörer braucht, hat mich die Klangqualität der "großen" Kopfhörer schon beeindruckt. So eine Klangqualität ist mit einer normalen Anlage nicht leicht bzw. nur mit hohen Kosten zu erreichen. Als ich dann einige auch ältere Musik gehört hatte, war ich überrascht, was ich alles bisher nicht gehört hatte. Auch kleine Probleme (von der Aufnahme, Kompression, schlechte Soundkarte im Notebook etc.) fallen zwar jetzt auf, aber generell hat eigentlich jede Aufnahme durch den hochwertigen Kopfhörer gewonnen (am Ende habe ich den Sennheiser HD650 behalten).