Infrarot-Kopfhörer (06/2004)

Vor allem zum Fernsehen suchte ich einen schnurlosen Kopfhörer. Ein Funkkopfhörer kam für mich nicht in Frage, weil diese schon eine recht hohe Reichweite haben und ich in der Stadt weder den Ton meiner Nachbarn hören möchte, noch ein Mithören durch dieselben ermöglichen möchte.

Anforderungen

Möglichkeiten der Tonübertragung

in Frage kommende / getestete Infrarotkopfhörer

Es gibt weit mehr Funkkopfhörer als Infrarotkopfhörer auf dem Markt. Die wenigen interessanten Modelle sind die folgenden:

Sony IF240RK
  • Mit 125g inkl Akku leicht
  • 50 EUR
  • Betrieb mit Standardakku oder Batterie, Ladefunktion in der Basisstation
  • Akkulaufzeit 35 Stunden mit nur 1x Micro (60 Stunden mit Alkaline-Batterie)
  • Zur Erkennung des mitgelieferten Akkus hat dieser eckige Enden. Wenn dieser Akku eingelegt wird, wird geladen, wenn man den Hörer auf die Station stellt. D.h. Batterien werden keinesfalls versehentlich geladen. Auch wenn Sony vorsieht, dass man nur den mitgelieferten Akku benutzt, kann man diese Kunststoffecken sicher auch an einen anderen Esratzakku kleben, wenn der mitgelieferte mal seinen Geist aufgibt.
  • Auch wenn die offenen Hörer auf die Ohren drücken (geschlossene Systeme haben eine größere Auflagefläche), ist er gut zu tragen.
  • Der Druck, mit dem der Hörer zusammengedrückt wird, ist recht gering. Das bedeutet, dass der Hörer einerseits angenehm zu tragen ist und andererseits, dass man damit keinen Handstand versuchen sollte.
  • Etwas merkwürdig ist, dass der Kopfbügel nach oben mit Gegendruck durch Federn herausgeschoben wird. D.h. beim Aufsetzen muss man etwas daran ziehen. Evtl. ist es praktikabler, die gewünschte Stellung einfach durch Klebeband dauerhaft zu erzwingen.
  • Die Station ermöglicht, in zwei Positionen (gekippt) den Hörer aufzulegen. In einer Position wird der Akku geladen, in der anderen nicht. Das finde ich eine gute Idee, denn für den Akku ist es besser, wenn man ihn nicht andauernd wieder auflädt.
  • Wenn man den Hörer in der Lade-Position auf die Station stellt, wird der Akku geladen, der Hörer ausgeschaltet und die Station sendet nicht mehr.
  • Die Station sendet automatisch nicht mehr, wenn kein Tonsignal für eine weile erkannt wurde.
  • Die Station hat eine geringe Eingangsempfindlichkeit im Vergleich zu anderen Systemen. D.h. man muss den Kopfhörerausgang des angeschlossenen Geräts schon ganz schön aufdrehen. Allerdings ist dies in der Praxis kein Problem.
  • Das Rauschen ist recht gering.

Sony IF630RK

  • Mit 310g sehr schwer, recht groß
  • 150-190 EUR
  • Schaltet sich beim Aufsetzen automatisch ein.
  • Betrieb mit Standardakku (nur durch Aufschrauben des Hörers austauschbar - steht aber in der Anleitung beschrieben), Ladefunktion in der Basisstation
  • Akkulaufzeit ca. 35 Stunden
  • Im Kopfhörer eine Rauschunterdrückung: Diese unterdrückt zwar Rauschen, arbeitet aber dynamisch. Das hat zur Folge, dass auch Rauschen des Quellmaterials unterdrückt wird und die Unterdrückung je nach Rausch-Lautstärke erst anspringt. Bei schlechtem verrauschtem Videomaterial hatte ich das Problem, dass bei vollkommener Stille das Rauschen des Quellmaterials unterdrückt wurde und dann bei leisem Gerede - scheinbar direkt nach Übersteigen einer bestimmten Lautstärke die Rauschunterdrückung sich an- und ausschaltete. Das Ergebnis war ein nicht gleichmäßiger Rauschunterdrückungseffekt. Da wohl der Ton nicht ganz zentriert war (rechts minimal etwas lauter), wurde links mehr vom Ton unterdrückt, so dass der Ton bei leisem Gerede hörbar nach rechts verlagert war. Dieser Effekt war bei anderen Hörern nicht erkennbar. Außerdem fällt ein abwechselnd unterschiedlich starkes Rauschen stärker auf als ein durchgehend etwas lauteres. Somit hat die Rauschunterdrückung auch deutliche Nachteile, insbesondere eben bei Filmen mit leisen Gesprächen und etwas Rauschanteil. Bei Musik fällt dies nicht auf.
  • Wenn man den Hörer in der Lade-Position auf die Station stellt, wird der Akku geladen, der Hörer ausgeschaltet und die Station sendet nicht mehr.
  • Die Station sendet automatisch nicht mehr, wenn kein Tonsignal für eine weile erkannt wurde.
  • Hat eine Funktion zum Anheben der Frequenzen der Sprache. Für mich nicht relevant.
AKG K311 IR
  • 230g
  • ca. 80 EUR
  • Ich habe keinen Anbieter mehr gefunden, es ist wahrscheinlich ein altes Modell.
  • Nicht getestet
Sennheiser IS380
  • 192g
  • 50 EUR
  • Hat eigenen Akkutyp. Somit kann man keinen billigen Ersatzakku einsetzen. Nur 4 Stunden Akkulaufzeit.
  • Angeblich schlechte Materialqualität.
  • Nicht getestet
Thomson WHP 310
  • 146g ink. Akkus
  • Betrieb mit 2x Micro-Akku, Laufzeit > 15 Stunden (nicht genau getestet)
  • 10 EUR gebraucht bei eBay (vermutlicher Neupreis vor ein paar Jahren 50 EUR)
  • Deutliches, aber durchgehendes Rauschen hörbar. Leicht, gut zu tragen.
  • Kein guter, aber ausreichender Klang.
  • Ich denke andere billige Kopfhörer werden ähnlich sein.

Daneben gibt es noch einige Modelle von Philips, Vivanco und anderen billigeren Marken. Beyerdynamic (als Hersteller guter Kopfhörer) stellt keinen Infrarot-Kopfhörer her.

Fazit

Um es vorweg zu nehmen: Den perfekten Hörer gibt es hier leider nicht. Mein Wunschhörer wäre ein sehr leichter Hörer mit In-Ohr-Hörern (wie üblich beim Walkman/CD/MP3-Player) mit digitaler Übertragung. Alle verfügbaren Modelle haben irgendwelche Nachteile.

Am ehesten für mich geeignet ist der Sony IF240RK, den ich nun schließlich auch benutzen werde. Er ist leicht, gut zu tragen und rauscht verhältnismäßig wenig. Der Klang ist gut und die Akkulaufzeit sehr hoch. Der teure Sony IF630RK enttäuschte mich. Wenn ich schon hohes Gewicht und Preis in Kauf nehmen soll, sollte er wenigstens vom Klang perfekt sein, was er aber durch das beschriebene Rauschverhalten nicht ist. Außerdem wundert mich, dass selbst dieser Kopfhörer klanglich nicht am meine Mini-Ohrhörer Sony MDR-EX 70 LP herankommt (9 mm Membran, 40 EUR). Selbst der billige Thomson ist für mich praxistauglicher als der große Sony, weil hier das Rauschen wenigstens durchgehend ist und außerdem der Kopfhörer viel leichter ist. Das Rauschen ist hier etwa doppelt so laut wie beim Sony IF240RK Der Sennheiser IS380 scheidet wegen der geringen Akkulaufzeit und Materialqualität aus (auch wenn ich diesen nicht getestet habe kann ich mir schlechte Materialqualität gut vorstellen - bei zwei anderen Sennheiser-Kopfhörern, die ich mal besaß, zerfielen die Ohrpolster irgendwann in Staub). Der AKG K311 IR könnte noch interessant sein, leider habe ich keinen Anbieter dafür gefunden.

Weitere Bilder vom Sony IF240RK

in einem der Hörer ist der Akku untergebracht
große Goldkontakte zum Laden des Akkus